++++ Aktuelles aus der Bierwelt ++++

 

 

23. April: Tag des Deutschen Bieres

Eine Nachbetrachtung

In zwei Jahren ist es soweit: Das Reinheitsgebot hat mal wieder einen Runden. Dann wird es 490 Jahre alt. Die Frage wird sein, ob es dann eigentlich noch etwas zu feiern gibt. Die deutsche Bierkultur gilt weltweit als die bunteste, da sie mit Abstand die vielfältigste ist. Über 5000 Brauereien betreiben ihr Geschäft. Wie lange noch?

Die Art und Weise, wie das Hauen und Stechen im Braumarkt um Marktanteile zunimmt, ist widerwärtig, aber wohl konsequent. Sie ist der Tatsache geschuldet, daß eine Generation in den verantwortlichen Positionen platz genommen hat, der Werte unbekannt sind. Werte wie Tradition, Sorgfalt, Liebe zum Beruf, ja zur Sache des Brauens überhaupt. Alles, was noch zählt, drückt sich auf der Habenseite des Kontos aus. In dem Maße, indem Werte, so wie vermeintliche „Sekundärtugenden" - also Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Pflichtauffassung - verschwunden, da verpönt sind, ging auch eine Verlotterung der Sitten einher. Jeder konservative Kulturkritiker weiß es: Emanzipation (für Unbedarfte: Diese beschränkt sich nicht auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, sondern bedeutet allgemein das Überwinden von äußeren Zwängen.) bringt nur Befreite hervor, aber keine Freien. In diesem Sinne hat der vielbeschworene Fortschritt in erster Linie Mist produziert. Was haben die Fusionen im Brauereiwesen bis jetzt gebracht? Sie haben einige reich gemacht, noch mehr jedoch arbeitslos. Es sind kleine Brauereien aufgekauft und dann kaputt gemacht worden. Und wofür? Damit der Aufsichtsrat am Ende des Geschäftsjahres den Vorstand entlastet.

Man sollte meinen, daß die Politik, egal, wer sich nun genau dahinter verbirgt, dagegen einschreitet. Denn schließlich haben die verantwortlichen Regierungspolitiker bei ihrem Amtsantritt geschworen, dem deutschen Volke treu zu dienen, seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Der Schaden ist jetzt da und er wird von Tag zu Tag größer. Denn die Kultur ist in Gefahr! In einer neuerlichen Diskussion im Freundeskreis kam letztens die Frage auf, wozu es eigentlich eine Wende und eine Wiedervereinigung gegeben hätte, wenn jetzt sowieso wieder alle fusionieren. Dann gäbe es ja doch wieder das Getränkekombinat mit der ewig gleich schlecht schmeckenden Plürre. Ein interessanter Ansatz - aber ist das nicht die letzte Konsequenz eines liberalistischen Kapitalismus? Den haben wir uns schließlich erwählt, aber man darf nicht vergessen, daß die einzige Aufgabe der Politik darin besteht, bei absehbaren Fehlentwicklungen einzugreifen und den Rahmen dafür zu schaffen, daß eben nicht einige wenige machen können, was sie wollen, während die anderen immer nur dumm in die Röhre gucken. Da aber die Regierung derzeit wie immer mehr damit beschäftigt ist, um jeden Preis an der Macht zu bleiben, ist wohl von der Seite nicht viel zu erwarten.

Die Gewinne schrumpfen ständig. Klar, wenn man jedem Bierkasten einen Spielzeug-Lkw beilegen muß, damit ihn einer kauft. Wer so eine Entwicklung lostritt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie aus dem Ruder läuft. Denn wenn es heute der Lkw oder der Hektar Regenwald ist, den man zum Trinken dazu bekommt, warum soll es dann morgen nicht schon die Eigentumswohnung sein oder der neue Ferrari? Leute, ihr braucht euch echt nicht zu wundern, wenn die Gewinne ausbleiben. Konzentriert euch einfach auf das, was ihr könnt. Oder laßt endlich wieder die ran, die vom Bier etwas verstehen!

Was ist also zu tun? Der Hinweis, doch nur solche Biere zu kaufen, die es wert sind, getrunken zu werden, verbietet sich, weil er an der Realität scheitert. Denn wer sieht eigentlich noch durch in dem ganzen Konzerngeflecht? Und schließlich entscheidet in Zeiten knapper Kassen der Geldbeutel - erst das Fressen, dann die Moral!, wie es in Österreich lange Zeit so schön hieß. Aber man darf ruhig offen und laut und bei jeder Gelegenheit seine Verachtung denjenigen gegenüber ausdrücken, die mit dem seichten Massenbier im Plastebecher auf den öffentlichen Veranstaltung dümmlich herumstehen und glauben, eine gutes Bier erkenne man daran, daß es von vielen getrunken wird. Ebenso müssen es die Mixgetränk-Konsumenten sich gefallen lassen, als das bezeichnet zu werden, was sie sind: Barbaren. Laßt die Cola weg, die schadet ohnehin nur den Zähnen!

Stefan Giebler

 

DEUTSCHEN GROßBRAUEREIEN FEHLT ES AN FLASCHEN
Bonn/Düsseldorf/Berlin – Leute, sauft mehr Bier, die Brauereien brauchen Leergut! Diese Aufforderung haben Deutschlands Großbrauereien am Sonntag über die Deutsche Presse Agentur veröffentlicht. Dahinter steckt die Tatsache, daß die Großen im Biergeschäft seit Jahren auf die Dosenabfüllung gesetzt haben – der Dosenmarkt nach der Einführung des Zwangspfands aber weitestgehend zusammengebrochen ist. Weil viele Biertrinker wegen des Dosenpfands auf die Mehrwegflasche umgestiegen sind, fehlen bundesweit rund eine Million Bierkästen. Der Deutsche Brauerbund hat daraufhin das Dosenpfand für eine tiefe Absatzdelle in der Brauwirtschaft verantwortlich gemacht. Die großen Brauereien hätten sich nicht rechtzeitig auf das seit zwölf Jahren angekündigte Dosenpfand vorbereitet, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständischer Privatbrauereien, Roland Demleitner.
Die in seinem Verband organisierten Mittelstandsbrauereien füllen ihre Biere in Flaschen – und die regionale Kreislaufwirtschaft der Leergebinde funktioniert offenbar besser. Laut der vom Brauerbund veröffentlichten Gebindestatistik (die allerdings nur ins Jahr 200 zurückreicht) hat Einweggebinde in Deutschland einen Marktanteil von 25 Prozent. Der Gesamtbierabsatz der bundesweit knapp 1300 Brauereien nahm in den ersten fünf Monaten 2003 um 7,1 Prozent auf 40,7 Millionen Hektoliter ab. Das geht aus der jüngsten Statistik des Deutschen Brauer-Bundes hervor. Der Rückgang beim Bierkonsum zieht nach Unternehmensschätzungen Steuerausfälle in zweistelliger Millionenhöhe nach sich. Im Juni habe die Hitze den Absatz zwar belebt, hieß es bei Brauereien. Mangels Bierkästen stünden neben Dosenlinien aber erste Flaschenabfüllanlagen still. Einbrüche beim Bierabsatz gab es nach Demleitners Schätzung nicht nur beim Dosengeschäft, sondern auch in der Gastronomie: Der Faßbierabsatz ging teilweise um bis zu zehn Prozent zurück. Bild am Sonntag verbreitete, daß das Dosenpfand im ersten Halbjahr 3500 Arbeitsplätze im Einzelhandel gekostet habe. Die geringsten Folgen hatte das Dosenpfand auf die Bierproduktion in Thüringen und Bayern, die nur um 0,7 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent schrumpfte.
In Sachsen-Anhalt stieg der Bierabsatz sogar (wenn auch auf einer niedrigen Basis) um 8,6 Prozent. In diesen Bundesländern dominieren mittelständische Brauereien mit Mehrwegkästen die Braulandschaft. „Der Absatzrückgang bei Bier ist ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte,“ sagte der Sprecher der viertgrößten deutschen Privatbrauerei Veltins, Ulrich Biene in Yahoo-News. (cs, 30. 06. 2003 )

Anmerkung: Es ist  z.B. von Berliner Pilsener bekannt, daß die wirklich arge Engpässe bei der Flaschenversorgung haben! So werden EDEKA- Märkte momentan NICHT beliefert! Da stehen wirklich manchmal die Abfüller still- im Sommer hat man sonst eher die Probleme, daß man das Bier nicht so schnell produzieren kann, wie man es eigentlich müßte (dann muß halt in die Trickkiste gegriffen werden :-) ). Wenn man zwei Abfüller hat, die jeweils 50000 Flaschen/ Stunde schaffen, reichen die zwei Kasten, die man mit Freunden am Wochenende trinkt, nicht wirklich aus...

SLOWAKEI ERHÖHT BIERSTEUER
Bratislava – Schlechte Nachrichten aus der Slowakei: Vor dem Hintergrund eines schlechten Budgetvollzugs (die Einnahmen blieben um 17 Milliarden Kronen = 408 Mio. Euro unter dem Voranschlag zurück) hat das Parlament der Slowakei Erhöhungen der Mehrwertsteuer und verschiedener Verbrauchssteuern, darunter der Biersteuer beschlossen. (cs, 27. 6. 2003)


EIS MIT BIERGESCHMACK
London – Biereis gab es bisher nur in feinen Restaurants – nun wird es auch kommerziell angeboten. Doddington Dairy, eine Spezialitätenmolkerei in Northumberland, hat vom Brauereikonzern Scottish & Newcastle die auf sechs Monate befristete Lizenz erworben, ein Eis mit dem Geschmack von Newcastle Brown Ale auf den Markt zu bringen. In die Eiscreme sind Stückchen von Keksen eingearbeitet, die ebenfalls mit Newcastle Brown hergestellt sind.
„We were looking for an ice cream flavour that was distinctive, and had a strong identity with the region, and Newcastle Brown has all of that. We were delighted when Scottish Courage were just as enthusiastic,” sagte Jackie Maxwell von der Molkerei. Das lokale Newcastle Brown Ale ist bereits in einigen anderen nordenglischen Produkten verarbeitet worden, etwa als Brotzutat. (cs, 20. Juni 2003)
http://www.doddingtondairy.co.uk/brownale.htm


HOHE BIERSTEUER FÜHRT INS GEFÄNGNIS
Kopenhagen - Einem Norweger, der 80.000 Dosen deutsches Bier nach Dänemark (und von dort weiter nach Norwegen) schmuggeln wollte, droht nun eine Gefängnisstrafe. Der Mann war bei einer Routinekontrolle in Frøslev, nahe der deutsch-dänischen Grenze erwischt worden. Während innerhalb der EU freier Warenverkehr herrscht, müssen größere Mengen von Bier deklariert und nachversteuert werden – insbesondere in Skandinavien, wo prohibtiv hohe Biersteuern eingehoben werden. Die dänische Biersteuer ist die niedrigste der skandinavischen Staaten, aber immer noch deutlich höher als die deutsche. Der wahre Profit läge darin, Bier weiter nach Norden zu schmuggeln. (cs, 20. Juni 2003)

Anmerkung: Haben wir es da nicht gut? Neben den Skandinaviern haben auch die Österreicher deutlich höhere Biersteuern als wir!


BIER ZU SEXY FÜR RUSSEN
St. Petersburg – Eine Fernsehwerbung für die russische Biermarke Tinkoff soll offiziell verboten werden, weil die staatliche Anti-Monopolbehörde moralische Bedenken hat. Der 30-Sekunden-Spot ist bereist seit sechs Wochen gelaufen und hat zahlreiche Werbepreise bekommen. Tinkoff ist eine Nobel-Biermarke in Rußland, angeblich auch ein Lieblingsgetränk von Präsident Vladimir Putin.
In dem Spot ist ein junger Mann mit zwei nackten Frauen auf dem Sonnendeck einer Yacht zu sehen. Der (in seiner Handlung als jugendfrei einzustufende) Film kann im Internet betrachtet werden. (cs, 19. Juni 2003)
http://www.tinkoff.ru/company/download.php


BIER GESÜNDER ALS VIELE MEINEN
Wien - Daß Bier Vitamine aus seinen natürlichen Rohstoffen enthält, ist hinlänglich bekannt. Daß maßvoller Bierkonsum viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben und der Vorbeugung zahlreicher Krankheiten dienen kann, war Thema eines Symposions des Brauereiverbands in Wien. Wissenschaftlich belegt wurde dies von zahlreichen internationalen Experten im Wiener Palais Eschenbach im Rahmen des Symposiums „Bier und Gesundheit“, welches von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, Sektion Süd, und vom Verband der Brauereien Österreichs initiiert wurde. Namhafte Experten und Wissenschafter sind sich sicher, daß Bier - maßvoll genossen - viele positive Wirkungen auf die Gesundheit haben kann. Weltweit wurden bereits hunderte Untersuchungen durchgeführt und publiziert. Dennoch sind sie in unseren Breiten zu wenig bekannt. Prof. Dr. Antonio Gasbarrini von  der Katholischen Universität Rom weist darauf hin, daß Bier schon seit je her medizinische Bedeutung genoß. So verabreichte bereits Hippokrates den alten Griechen bei Fieber ein kühles Bier. Zahlreiche Studien aus der jüngsten Vergangenheit belegen, daß das Naturheilmittel Bier auch für die heutige Medizin zunehmend interessanter wird. Für Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl von der Landesnervenklinik Graz könnte Bier „zu einer wissenschaftlichen Herausforderung für die Medizin“ werden. Die Volksmedizin hat schon immer Bier als positiven Beitrag zu einer ausgeglichenen Ernährung anerkannt. Wissenschaftlich bestätigt wird diese Tatsache von Dr. Caroline J. Walker von Brewing Research International. Sie beschreibt Bier als wichtigen Vitaminlieferanten. Auch die Krebsforschung beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der heilenden Wirkung von Bier-Inhaltsstoffen. Hopfen, und hier vor allem der Inhaltsstoff Xanthohumol, stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Dr. Norbert Frank vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Man ist dabei, die krebshemmende Wirkung dieses Inhaltsstoffes nachzuweisen. Insgesamt sieht Dr. Frank im Hopfen ein hohes gesundheitsförderndes Potential, welches „in seinem Ausmaß noch nicht vollständig erkannt ist“. Dies wird auch von Univ. Prof. Dr. Ing. Werner Back von der Technischen Universität München-Weihenstephan bestätigt.

Anmerkung: Daß Bier gesund ist, wußten wir doch schon alle! Im Übrigen ist Bier ein so selektives Medium, daß dort kaum irgendwelche Schädlinge überleben/ sich vermehren können. Es gibt etwa eine Handvoll Mikroorganismen, die überhaupt noch in der Lage sind, sich im angefüllten Bier zu vermehren und das Bier zu verderben. Letztlich heißt das, daß man von Bier keine Lebensmittelvergiftung bekommen würde! Denn wenn ein Bier verdorben ist, ist es nicht giftig, sondern sieht komisch aus oder schmeckt beschissen! Und gerade die entstehenden Stoffe haben so einen geringen Geschmacksschwellenwert, daß bereits kleinste Mengen geschmeckt werden- und man das Bier dann automatisch nicht mehr schmeckt (das bekannteste Beispiel ist Diacetyl. Das ist das sogenannte Butteraroma, welches zwar auch bei der Gärung entsteht, aber bei der Lagerung -> siehe www.pilsberatung.de/Bier/Herstellung-Reifung.htm
<http://www.pilsberatung.de/Bier/Herstellung-Reifung.htm>  -> abgebaut wird. Da nach der Filtration dieser Abbauvorgang nicht mehr ablaufen kann, stört eine Neubildung dessen sofort!) und sicher gleich verworfen wird. Univ. Prof. Dr. Ing. Werner Back von der Technischen Universität München-Weihenstephan ist eigentlich der Ober- Guru aus Weihenstephan.

 

18.11.02 Bier wird teuer - Ein Kommentar

Wie man aus Medienberichten entnehmen konnte, wird Bier zum Jahreswechsel teurer. Die großen Brauereien Deutschlands begründen das mit der dann wiederholt steigenden Ökosteuer.

Ich selbst kann es schon nachvollziehen, daß die erhöhten Transportkosten für das Getränk auch auf dieses, und daraus auch auf den Konsumenten, umgelegt werden müssen. Hierbei ist es aber auffällig, daß gerade die großen Brauereien die ersten sind, die hier jammern! Daß deren Biere sicher durch das ganze Land gefahren werden, und damit auch die Transportkosten dementsprechend teurer werden, sollte aber gerade kleinen und Mittelständischen Brauereien nicht unbedingt das Recht geben ihre Preise den der Großbrauereien ebenso anzugleichen! Denn die regionalen Brauereien haben weniger Fahrleistungen zu erbringen, deshalb trifft sie auch weniger die Ökosteuer! Statt dessen sollten diese Brauereien den so gewonnenen Preisvorteil ausnutzen! Mit kleineren Preisen für ein Produkt mit hoher Qualität kann man sicher Kunden werben! Und das sollte auch den Konsumenten bewußt werden! Unterstützt die Regionalbrauereien!

Andreas Faustmann

 

26.09.02
Nobler Spender
Werner Dürkoop aus Rüdersdorf sprang nach langem Drängen seiner Tochter Sylvia über seinen Schatten und überließ der Pilsberatung einen großen Schatz: Eine gigantische Sammlung von Bierflaschenetiketten, zum Teil mehrere Jahrzehnte alt. Die Pilsberatung ist nun also im Besitz von Zeugnissen der Braukunst insbesondere aus der DDR und dem früheren Ostblock. Wir werden die Gelegenheit nutzen und die besten Etiketten auf dieser Internetseite präsentieren. Jedoch will gut Ding Weile haben - weder heute noch morgen, noch in der nächsten Woche werden wir die Etiketten vorstellen.
Der große Dank noch mal an Herrn Dürkoop und an Sylvia, die ihn erfolgreich bekniet hat, uns die Sammlung zu überlassen.

11.05.02 Pilsberatung besichtigt Landskron-Brauerei in Görlitz
Pisa offenbart Mängel - daß Bildung in Deutschland Mangelware ist, pfeifen die Spatzen schon seit Jahren von den Dächern. Überraschen konnte die PISA-Studie nur den, der sich über Jahre vor der Wirklichkeit verschloß. Doch auch ein genüßliches Zurücklehnen mit Verweis auf die eigenen Leistungen ist nicht angebracht. Der Hochschulabschluß kann den Charakter nicht ersetzen und lebenslange Weiterbildung sollte eigentlich selbstverständlich sein. Die Pilsberatung versucht immer wieder auch sich selbst durch Brauereibesuche und Vorträge weiterzubilden. So zum Beispiel am 11. Mai, als die Vereinsmitglieder sich endlich aufrafften und den lange diskutierten Brauereibesuch absolvierten. Ein detaillierter Bericht ist auf der Vereinsseite unter dem Punkt "Verein" und dem Unterpunkt  "Aktionen" zu lesen.

Deutsches Reinheitsgebot: Bitburger schluckt die Bierlegende Wernesgüner
Die letzte Pilslegende
Jutta Winckler

Fernsehwerbung von "Radeberger Pils", "Rotkäppchen-Sekt", "Spreewald-Gurken" und "WERNESGRÜNER" kennen mittlerweile selbst eingefleischte Alt-BRDler. Es handelt sich hierbei um Markenartikel aus den neuen Bundesländern. West-Berlin entwickelte sich zwischen Kriegsende und "Wiedervereinigung" zu einer weitestgehend industriefreien Zone; Ost-Berlin folgte diesem Sonderweg nach 1990 rapider, als selbst pessimistische Kenner der Materie es für möglich gehalten hätten. Mittlerweile hat sich - mit Ausnahme sächsischer Enklaven - der industrielle Produktionskrösus DDR flächendeckend in ein Agrar-, Dienstleistungs- und Kurztourismus-Gebiet verwandelt. Die "blühenden Landschaften" des kurpfälzischen Wirtschaftspropheten Kohl bewahrheiteten sich nach Art des delphischen Orakels: Dessen Voraussagen pflegten in einer Weise einzutreffen, die den vordergründigen Erwartungen der Interessenten wenig bis gar nicht entsprachen.

Im DDR-untypisch frommen Vogtland, tief in Sachsen, liegt der uralte Marktflecken Wernesgrün, zwischen Wald, Wiese und Acker, erreichbar über ein Landsträßchen, das sich ins Dorfinnere schlängelt. Inmitten der katenartig bescheidenen Bebauung erhebt sich der mächtige Gutshof einer Großbrauerei, erbaut 1912. Die Zeit scheint unter den Hohenzollern stehengeblieben zu sein, wenn die JF-Redakteurin im Jahr 2002 Zeugin einer urtümlichen Szene werden darf: Eines Kutschers "Hü!" und "Hott!" ist plötzlich zu hören, ein schwerer Wagen mit hölzernen Bierfässern rollt um die Ecke. Achtspännig gezogen von gewaltigen Rössern, deren Urkraft belgischer Kaltblutzucht entstammen muß. Die mythisch anmutenden Zugtiere schnauben und dampfen aus dem Maul; es ist das Werbegespann der Brauerei.

Am 18. Februar 2002 ruft Bernd Schmidt vom Vorstand der WERNESGRÜNER Brauerei seinen Bürgermeister an; Bernd Roßberg hebt ab und hört von seinem Gegenüber einen einzigen kurzen Satz, der einer Hiobsbotschaft gleicht: "Die Bitburger von drüben werden uns schlucken." Zu Jahresbeginn hatte der Bierkonzern aus dem Westen bereits 49 Prozent der Aktien erworben; Ende März 2002 erhöhte das hungrige Management der renommierten Premium-Marke den Anteil auf 63 Prozent. Auf ihre Eigenständigkeit hatten Bürgermeister, Firmenbelegschaft und sächsische Politiker aller Couleur bislang stolz sein können; seit neustem ist es damit vorbei. Wernesgrün, der Gemeinde Steinberg verwaltungsmäßig zugehörig, ist freilich entschlossen, keineswegs in das obligate "Ossi"-Gejammere über die frustierenden Zeitläufte einzustimmen: "Wer sagt denn, daß wir von der Übernahme nicht alle profitieren werden?" bringt Roßberg trotzig heraus. Und wirkt dabei wie einer, der sich im undurchdringlichen Wald eines entfesselten Marktgeschehens pfeifend Mut machen möchte. Nur allzu gut weiß er, "daß Übernahmen in aller Regel auch dazu dienen, Arbeitsplätze abzubauen".

Immerhin kämpft die Gegend schon mit fast zwanzig Prozent Erwerbslosen, gibt der Bürgermeister zu bedenken, und fürchtet überdies, "daß der Betrieb womöglich mit seiner Steuerkraft ausfallen wird. Ohne das Aufkommen der Brauerei steht nahezu alles in Frage, was wir uns bislang kommunal noch leisten konnten: Freiwillige Leistungen wie öffentliche Bäder und Unterstützung für unsere Vereine. Auch bei den Kindergärten werden wir dann rigoros sparen müssen." Die Brauerei ist im Ort historisch verwurzelt, seit dem 18. März 1436 haben die WERNESGRÜNER "das Recht zum Brauen und Ausschenken" und zu Honeckers Zeiten galt ihr Gerstensaft als eines der schmackhaftesten Biere. Der regierende Dachdecker mochte es und in den großen Städten machten gelegentlich ganze Betriebsteile blau, um im Handel an genügend Kästen der neuen Lieferung zu kommen. Nach dem Ende der DDR modernisierte und investierte die Brauereileitung, um ihre Pils-Legende weiterzuschreiben. Zweihundert Millionen deutsche Mark wurden in technische Ausrüstungen gesteckt; hinter den Klinkermauern der wilhelminischen Industriearchitektur, unter ihren historistisch spitzwinkligen Dächern und Gauben arbeitet eine der modernsten Brauanlagen Europas, so Braumeister Steffen Feig, und streichelt die chromblitzenden Gestänge aus Edelstahl. 1993 stellten die dreihundert Angestellten fast eine halbe Million Hektoliter Pils her; seitdem schmolz die Belegschaft auf 230 Personen zusammen, die freilich über achthunderttausend Hektoliter brauen. Womit die Pro-Kopf-Produktivität das West-Niveau ebenso erreicht hat wie die in Wernesgrün gezahlten Löhne. Es handelt sich um die fünftgrößte Brauerei im "Beitrittsgebiet Neufünfland" (Matthias Beltz), Jahr für Jahr gelingt es, den Ausstoß zu steigern.

Dies liegt zunächst an einer erfolgreichen Marketing-Strategie, die es vermochte, dem mitteldeutschen Wachstum just im verwöhnten, nachgerade überschwemmten Markt der Alt-BRD einen respektablen Platz zu erkämpfen; umsatzrelevanter aber war die Tatsache, daß der "gelernte" DDR-Verbraucher - nach kurzem Rausch - ernüchtert zu seinen Marken, seiner eigenen Produktions- und Konsumidentität zurückgekehrt war. Und demzufolge wieder sein geliebtes "WERNESGRÜNER" trank. 1994 wehrte das Dorf, das eigentlich eine Brauerei ist, einen Übernahmeversuch der Dortmunder "Brau & Brunnen" ab, die knapp die Hälfte der Aktien übernehmen wollte. Alteigentümer Christian Wolf wütete gegen die "Räuber aus dem Ruhrpott", man klebte Plakate mit der Losung "Für die sächsische Lösung!" Die Herren aus dem Westen wurden kurzerhand ausgesperrt, als sie der Belegschaft ihr Konzept vorstellen wollten. Die Westler gaben auf, und Wernesgrün feierte seinen Sieg mit etlichen Hektolitern WERNESGRÜNER Pils auf einem Volksfest. Mancher mag sich wie zu Zeiten von Asterix und Obelix vorgekommen sein.

Doch die Realität des "Haifischkapitalismus" (Helmut Schmidt) ist nicht die des Gallier-Comics. Die Alteigentümer behielten zwar ihre Aktienmehrheit, doch die Westler mischten zum ersten Mal mit als Minderheitsgesellschafter "Baykap", eine Tochter der Bayrischen Landesbank. 1997 verkauften die Erben des Unternehmens ihr Paket an die Riebeck-Brauerei in Erfurt; damit ging der eigenständige sächsische Weg zwar zuende, "WERNESGRÜNER" aber blieb - laut Werbebroschüre - "die größte und erfolgreichste konzernunabhängige Brauerei in den neuen Bundesländern". Soeben aber erwarben die Bitburger jene Baykap-Anteile, erhalten somit das absolute Sagen vor Ort. Von Wut und Empörung wie bei den zurückliegenden Versuchen zur Übernahme ist bislang nichts zu spüren: "Die Belegschaft hat die Nachricht eher positiv aufgenommen", sagt Ulrich Baumann, der Chef des Betriebsrats, "wir alle vertrauen auf die Bitburger. Heutzutage braucht jeder starke Partner, um überleben zu können."

Ricardo Breuer, Inhaber des örtlichen Frisörsalons, wundert sich nicht, daß diesmal der Protest ausbleibt: "Die Menschen geben sich keinen Illusionen über Unabhängigkeit mehr hin. Die Zeiten haben sich geändert." Auch Bernd Schmidt vom Vorstand der Brauerei ist dieser Meinung: "Am hart umkämpften deutschen Bier- und Braumarkt geht es nicht ohne leistungsfähigen Verbund." Er ist seit dreißig Jahren im Betrieb und weiß, "daß Bitburger der Wunschkandidat des Vorstands gewesen ist. Aktien wechseln nun mal den Eigentümer."

Gert Opel, der Lenker des imposanten Achtspänners, hofft, "daß ich meinen Arbeitsplatz oben auf dem Kutschbock behalten kann. Zur Not würde ich auch Bitburger Pils von meinem Wagen ausschenken." Und bezweifelt zugleich, daß die WERNESGRÜNER das fremde Gesöff annehmen werden: "Wir halten treu zu unserem WERNESGRÜNER!"

Quelle: JUNGE FREIHEIT, 17/02 vom 19. April 2002, Seite 20

 

23.04. 02  Tag des Deutschen Bieres begangen - So feiert Deutschland sein Lieblingsgetränk 
Die Bier-Genießer in Deutschland haben einen Grund mehr, sich über ihr Lieblingsgetränk zu freuen: Denn in Maßen genossen steigert es nicht nur die Geselligkeit, ist gesund und nahrhaft, sondern wird am 23. April 2002 auch mit einem eigenen Feiertag geehrt — dem Tag des Deutschen Bieres. Bereits zum achten Mal in Folge steht an diesem Tag alles im Zeichen des beliebtesten Kaltgetränks der Bundesbürger. Grund zum Feiern gibt es allemal: Schließlich jährt sich am 23. April die Verkündigung des Deutschen Reinheitsgebotes zum 486. Mal — damit ist es das älteste Verbraucherschutzgesetz der Welt. Und es ist heute aktueller denn je. Denn in einer Zeit vieler Lebensmittelskandale ist auf eins Verlaß: Deutsches Bier besteht aus Hopfen, Malz, Hefe, Wasser und sonst gar nichts. Das hat bereits der bayerische Herzog Wilhelm IV. am 23. April 1516 auf dem Landständetag zu Ingolstadt festgelegt. Wie wertvoll den Deutschen das Reinheitsgebot ist, zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid: 88,7 Prozent der Bundesbürger sprechen sich für seine Beibehaltung aus. Das am häufigsten genannte Argument dafür ist der Schutz vor Zusatzstoffen. 
So vielfältig wie die über 5.000 verschiedenen Biere, die 1.291 deutsche Brauereien brauen, sind auch die Aktionen, mit denen die Bier-Freunde das leckere Getränk an diesem Tag hochleben lassen: Neben Brauereifesten, Tagen der offenen Tür oder Jazzfrühschoppen ist die Bandbreite der weiteren Aktionen kaum überschaubar. So wird mancherorts mit historischen Geräten ein Schaubrauen veranstaltet, andernorts wird die Bierkönigin gekürt oder auf dem Marktplatz Freibier ausgeschenkt. Und auch die befreundeten Branchen feiern mit: Gastronomie und Getränkefachgroßhandel sind starke Partner am Tag des Deutschen Bieres. So wird es etwa spezielle Bierspeisekarten oder Bierproben geben. Und auch viele Getränkemärkte stellen Bier in den Mittelpunkt — beispielsweise mit Sonderverkaufsaktionen, Gewinnspielen und attraktiven Zugaben für die Verbraucher. Der Tag des Deutschen Bieres wird also überall sein Echo finden, besonders auch in Presse, Funk und Fernsehen. Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes: "Dieser Ehrentag ist eine herrliche Gelegenheit, den unvergleichlich köstlichen und vor allem reinen Genuss zu würdigen, den deutsches Bier uns regelmäßig bereitet."
Quelle: Deutscher Brauerbund www.brauer-bund.de 
Dosenpfand ist überfällig
Im Jahre 1991 wurde die Wirtschaft per Getränke-Verpackungsverordnung dazu verpflichtet, in den folgenden Jahren eine Mehrwegzielmarke von 72 Prozent zu erreichen. Doch die Einweglobby war stärker. Die angestrebte Mehrwegquote wurde nicht erreicht und ging im ersten Quartal 2002 mit 60 Prozent besonders weit daneben Das bedeutet, daß es ab 1. Januar 2003 ein Zwangspfand auf Dosen gibt.
Dabei hatte die Einwegindustrie bisher gut gelebt und will das auch weiterhin tun: "Handel verlangt Verzeicht auf Zwangspfand", war dann auch Mitte April der Presse zu entnehmen. Denn die Systemumstellung koste Geld. Komisch nur, daß für die Umstellung von Pfandflaschen auf Dosen Geld da war. Nur die mittelständischen Brauereien blieben bei ihren guten alten Pfandflaschen und freuen sich nun über das Zwangspfand auf Dosen, das die Konkurrenz, nämlich die Großbrauereien, trifft. Und was den mittelständischen Bierbrauern recht ist, kann der Umwelt nur billig sein: "Dieses Pflichtpfand wird eine Trendumkehr bewirken zu einem Wiederanstieg des Mehrweganteils bei Getränken", erklärte Roland Demleitner vom Bundesverband mittelständischer Brauereien am 19. April. Daß der Sachverständigenrat für Umweltfragen hingegen in seinem jüngsten Bericht vom Dosenpfand Abstand nehme, wie die Einweglobby behauptete, sei nicht korrekt. Richtig sei, daß angemerkt wurde, daß die Umstellung auf politischen Widerstand stoße. Doch der bröckele bereits, auch beim Handel. Fertige Umsetzungspläne lägen längst bereit. Und zudem sei die Mehrheit des Volkes (75 Prozent) für einen Dosenpfand. Bleibt zu sagen "Prost" - mit der Mehrwegflasche versteht sich, denn die klingt besser und hat mehr Trinkkultur.

Volker Kempf in JUNGE FREIHEIT, 18/02 vom 26. April 2002, Seite  9

Seit dem 1.1. 2002 gelten neue Preise im Mehrweg- Pfandsystem
0,08 € für alle Flaschen außer der Bügelverschlussflasche 
0,15 € für die Bügelverschlussflasche 
1,50 € für den Kasten 
0,75 € für die halbe Splittbox

 

Deutsche Brauer klagen: Zurückgehender Bierkonsum
Nur noch auf Platz drei der Biertrinkernationen fand sich die Bundesrepublik im letzten Jahr. Die Deutschen tranken im Jahr 2000 nur noch 125,5 Liter pro Kopf (die Tschechen etwa 160 Liter!!!). Dieser Trend wird sich wohl fortsetzen. Als Gründe sieht man die Pflichtpfandverordnung für Einwegflaschen, die gesenkte Promillegrenze für das Führen von Kraftfahrzeugen, sowie das "untrendy"- Sein des Bieres bei Jugendlichen. Durch sinkende Absatzzahlen, wie auch den Druck durch ausländische Brauereien, müssen auch in diesem Bereich der Wirtschaft Arbeitsplätze gestrichen werden.

 

März 2001: DIEBELS steht zum Verkauf
Wie aus zuverlässigen Quellen zu erfahren war, steht die Brauerei DIEBELS zum Verkauf. Es haben sich wohl schon Interessenten gemeldet. Carlsberg stand wohl im Gespräch. Also, wenn jemand anderes ein paar Mark zuviel hat...

 

Preis der Besten für Landskronbier
Görlitz (ddp/bra) Der Landskronbrauerei Görlitz GmbH wird in diesem Jahr erstmals der Preis der Besten in Silber verliehen. Eine Voraussetzung dafür war die erneute Prämierung hauseigener Biere, die das Unternehmen bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zur Bewertung eingereicht hatte.
Außerdem hatte Landskron den Preis der Besten in den vergangenen Jahren fünfmal hintereinander in Bronze erhalten, teilte die Privatbrauerei mit. Die silberne Auszeichnung werde im Herbst übergeben.
(Lausitzer Rundschau, 3. Woche 2001)

 

Selbstkühlendes Bierfaß entwickelt
Auf der "Grünen Woche" in Berlin wurde 2001 ein selbstkühlendes Bierfaß vorgestellt. Weitere Informationen unter dem Punkt Forschung.

 

Gezapftes Faßbier im All 
Auch im Weltall Biertrinken? Auch hier wurde geforscht! Mehr Informationen unter dem Punkt Forschung.
Durstige Diebe: 204 Bierfässer geklaut
Plötzin (dpa/ta). Offenbar durstige Diebe haben in Plötzin (Potsdam-Mittelmark) vom Hof eines Getränkemarktes einen Lastwagen mit 204 Bierfässern gestohlen. Der Diebstahl sei am Dienstag entdeckt worden, teilte die Polizei erst gestern mit. Für Mineralwasser hatten die Unbekannten nur Verachtung übrig.
Das Fluchtfahrzeug wurde leer und unbeschädigt in Göhlsdorf aufgefunden. Von den 10200 Litern Bier fehlt allerdings jede Spur.
(Lausitzer Rundschau, wahrscheinlich 29.11.2000)

 

Bereits seit dem 1.2.2000: Holsten übernahm König- Pilsener
Nachdem man die Bavaria- St.Pauli- Brauerei, sowie Licher übernommen hatte, wurden 75% des Gesellschaftskapitals von König- Pilsener aufgekauft.  
 

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